Involvieren Sie sich persönlich, um den Wandel aus der Branche heraus voranzutreiben

Involvieren Sie sich persönlich, um den Wandel aus der Branche heraus voranzutreiben

Written by Roger Peverelli, Reggy de Feniks und Walter Capellmann on 27 Dec, 2018

Die meisten Storys über den Aufbau von Ökosystemen handeln von multinationalen Blue-Chips. Das erzeugt den Eindruck, als lasse sich diese Art Innovation nur von Unternehmen einer gewissen Größe vorantreiben. Das trifft aber nicht zu, wie der bayerische Konzern Versicherungskammer beweist. Das Unternehmen baut erfolgreich ein Ökosysteme auf, das Mehrwerte für ihre Kunden erzielt. Dr. Robert Heene, Vorstandsmitglied des Konzerns Versicherungskammer erklärt, auf welche Weise das geschieht.
 

Der Konzern Versicherungskammer hat seinen Sitz in München. Das Unternehmen bietet ein umfassendes Portfolio an Versicherungslösungen für den deutschen Markt; ein Full-Liner für den Personen- und Sachschutz mit einem jährlichen Prämienvolumen von 8,1 Billionen Euro. Dr. Robert Heene ist als Vorstandsmitglied für den Kunden- und Vertriebsservice verantwortlich. Außerdem ist er Vorsitzender des Beirats des InsurTech Hub Munich (ITHM), einer der hochgeschätzten Partner der DIA.

Es werden so viele unterschiedliche Definitionen für den Begriff „Ökosysteme“ verwendet. Wie würden Sie ihn definieren?
Robert: „Wir vom Konzern Versicherungskammer glauben an Prävention. Aus diesem Grund hat die Schadensvermeidung für uns höchste Bedeutung. Wir suchen ständig nach Innovationen und digitalen Ideen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, um unsere Produkte und Serviceleistungen weiter zu verbessern.

Im Wesentlichen bringt ein Ökosystem alle relevanten Partner zusammen, die einen Beitrag zur Lösung einer bestimmten brancheninternen oder sogar branchenübergreifenden Herausforderung leisten. Zumeist fokussieren sie sich auf die Customer Journey und deren mögliche Optimierung. Das erleben wir zum Beispiel im Versicherungs- und Gesundheitssektor. In diesem Sommer ist der Pharmagigant Roche eine strategische Partnerschaft mit dem ITHM eingegangen, um digitale Lösungen voranzutreiben, mit denen sich die tägliche Versorgung von Patienten verbessern lässt.“

Welche Trends sind Ihrer Ansicht nach die Motoren hinter der wachsenden Bedeutung von Ökosystemen?
Robert: „Wenn wir das aus Kunden- und Serviceperspektive betrachten, müssen wir uns fragen: Was bedeutet Service im Zeitalter der Globalisierung für den Versicherungssektor? Die allseits bekannten digitalen Unternehmen prägen die Serviceerfahrung und die Erwartungen der Kunden. Und nicht nur das, sie arbeiten bereits an datengetriebenen Versicherungsgeschäftsmodellen. Konzerne wie Amazon haben sich auf dem Online-Marktplatz als Symbole für Relevanz und Reaktionsfähigkeit etabliert. Diese Marken definieren die Benchmarks für Kundenerfahrung, Service und die Erfüllung von Kundenbedürfnissen. Kunden erhalten Produkte oder Services ihrer Wahl, wann und wo sie wollen. An jedem beliebigen Tag. Das schafft Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Um relevant zu bleiben und kundenzentrierte Angebote zu entwickeln, müssen wir über Branchengrenzen hinaus blicken und verstehen, welche Probleme unsere Kunden zu lösen versuchen. Das `Denken in Ökosystemen´ ist der Schlüssel zu dem berühmten Blick über den Tellerrand und zur Erzielung des nötigen Wandels.“

Sie erwähnen Unternehmen wie Amazon oder, breiter gefasst, die vielzitierten globalen digitalen Unternehmen. Wir hören oft die Frage, Wann wird die Versicherungsindustrie `Uber-isiert´? ...
Robert: „Sicherheit ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, und das wird auch im digitalen Zeitalter so bleiben. Die größte Herausforderung für die Versicherungsindustrie liegt nach wie vor darin, ein Gefühl der Dringlichkeit in der eigenen Organisation zu erzeugen tragfähige finanzielle Geschäftsmodell zu hinterfragen.

Vielleicht hat die Versicherungsindustrie `Glück´, dass wir erst so spät von der Digitalisierung erwischt werden, oder zumindest später als andere. Auf diese Weise können wir aus den Fehlern lernen, die etablierte Unternehmen in anderen Branchen gemacht haben. Insbesondere im Einzelhandel gibt es eine Vielzahl von Unternehmen, die gezeigt haben, dass die Unfähigkeit, relevante Trends zu erkennen und das Geschäftsmodell entsprechend anzupassen, dazu führt, dass diese Unternehmen mit der Zeit von der Bildfläche verschwinden. Die Herausforderung besteht also darin, nachhaltige Plattformen und Ökosysteme aufzubauen, die es den beteiligten Partnern ermöglichen, außerhalb der eingefahrenen Bahnen zu denken und Dinge zu tun, die auf diesem Marktplatz bisher nicht möglich waren.“



Wie wichtig sind Insurtechs für die Entwicklung von Plattformen und Ökosystemen?
Robert: „Insurtechs sind ein unverzichtbarer Partner für die Zusammenarbeit, vor allem, weil ihre smarten und wagemutigen Gründer keine Scheu haben, etablierte Geschäftsmodelle und Prozesse zu hinterfragen. Sie haben vielleicht keine jahrhundertelange Erfahrung, aber dadurch können sie, wie ich schon sagte, frei und ohne Scheuklappen denken. Sie haben datengetriebene Produkte entwickelt und eine Zeit bis zur Marktreife etabliert, die die `amazonifizierten´ Bedürfnisse der Kunden erfüllt.

Wir haben schon Projekte mit unterschiedlichen Insurtechs durchgeführt. Eines dieser Startups sticht allerdings besonders hervor: Zusammen mit FairFleet – einem Startup für Drohnen-Dienstleistungen – haben wir Hagelschäden an Kirchen bewertet. Wir erhielten exzellente Schadensbilder in kürzester Zeit. Nach weiteren, erfolgreichen Einsätzen wurde FairFleet als Serviceprovider integriert. Ja, Insurtechs stellen die Branchenregeln völlig auf den Kopf.“

Welches ist Ihrer Meinung nach der wichtigste Erfolgsfaktor für die Entwicklung von Ökosystemen?
Robert: „Sie brauchen eine solide Umgebung, um neue Geschäftsmodelle und Lösungen entwickeln und validieren zu können. Sie brauchen den Willen und die Manpower der Branche, Investmentchancen sowie die Unterstützung von F&E-Institutionen, wenn Sie ein nachhaltiges Ökosystem aufbauen wollen. Das ist ein weiterer Grund, warum die Versicherungskammer den InsurTech Hub Munich mitbegründet hat. Durch seine Zusammenarbeit mit Startups, Unternehmen, Spitzenuniversitäten, Forschungszentren, Investoren und der Regierung, bietet der ITHM diese Umgebung.“



Viele unserer Leser sind ebenfalls Führungskräfte großer oder mittelgroßer Versicherungsunternehmen. Sie haben den ITHM schon mehrmals erwähnt. Können Sie uns sagen, wie der InsurTech Hub Munich Versicherern wie dem Konzern Versicherungskammer dabei helfen kann, stets an der Spitze der Innovationen in der Versicherungswirtschaft zu bleiben?
Robert: „Mithilfe des ITHM erhalten wir Zugang zu einem globalen Netzwerk aus Startups und Innovationsintelligenz. Auf diese Weise können wir uns noch konsistenter auf die Bedürfnisse unserer Kunden fokussieren. Mithilfe der Acceleratoren-Programme sind wir in der Lage, jedes Jahr mehr als 50 Startups detailliert zu analysieren sowie konkrete Geschäftsmodelle und Kooperationschancen zu bewerten. Die Qualität der ausgewählten Startups ist im Vergleich zu anderen Insurtech-Programmen in Deutschland beispiellos.

Dieses Ökosystem des ITHM bietet uns herausragende Chancen, Seite an Seite mit talentierten und ehrgeizigen Unternehmensgründern innovative Lösungen zu entwickeln und technologische Anwendungen zu testen. Wir sind glücklich, als starker, erfahrener Partner, wie es der Konzern Versicherungskammer ist, die Insurtechs mit unserem Branchenwissen und unserer ökonomischen Expertise zu unterstützen. Das schafft auf beiden Seiten neue Impulse. Dieser Wissensaustausch macht uns allerdings auch verwundbar. Es liegt an uns, die Partner zu identifizieren, die am besten zu uns passen, um unser wertvolles Wissen mit ihnen zu teilen und nachhaltige Beziehungen zu knüpfen – zum Nutzen unserer Kunden. Die Rolle als Vorsitzender des ITHM-Beirats bietet mir die Chance, mich persönlich zu involvieren und den Wandel von innen heraus, also aus der Branche selbst, voranzutreiben.“



Aus dem Englischen übersetzt von Almuth Braun

 

 

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