Die Vision hinter Ping Ans Erfolg - Teil 1

Die Vision hinter Ping Ans Erfolg - Teil 1

Written by Roger Peverelli, Reggy de Feniks und Walter Capellmann on 20 Feb, 2019

Ping An ist eine der innovativsten Finanzdienstleistungsgruppen Chinas und eines der größten Versicherungsunternehmen der Welt. In Bezug auf eine erfolgreiche Ökosystem-Strategie, ist Ping An zweifellos weltweite Best Practice. In diesem Interview lässt uns Jonathan Larsen, Innovationsvorstand von Ping An, an seiner Vision und den Erkenntnissen teilhaben, die diesem Erfolg zugrunde liegen. Jonathan ist für die Einführung neuer Technologien, Plattformen und Geschäftsmodelle in Ping Ans Unternehmen in China und auf internationaler Ebene verantwortlich. Außerdem ist er Chairman und CEO des Ping An Global Voyager Fund, der eine Milliarde Dollar verwaltet und in vielversprechende Fintechs und Healthtechs investiert. Jonathan Larsen war einer der innovativen Vordenker, die auf der DIA Munich 2018 ihre Vision vorgestellt haben. Auf der DIA Amsterdam, die vom 25. bis 27. Juni 2019 stattfindet, erwarten Sie ähnlich hochkarätige Vortragsredner. Eintrittskarten erhalten Sie hier.

Über Ping An
Ping An ist der wertvollste Versicherungskonzern der Welt. In der ersten Hälfte des Jahres 2018 betrug das Prämienaufkommen rund 60 Milliarden Dollar. Das Unternehmen ist in China der führende Anbieter von Lebens- und Nichtlebensversicherungen. Zu seiner Finanzdienstleistungssparte gehören das Wertpapiergeschäft mit dem größten Online-Retail-Broker Chinas, das Asset Management mit rund 700 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen, sowie eine Bank mit einer Bilanz von rund einer halben Billion Dollar. Darüber hinaus gehören eine Reihe weiterer Unternehmen zum Konzern, die sich aus Ping Ans „Technologie-Ökosystem“ entwickelt haben. Einige Beispiele:

  • Lufax ist die größte digitale Asset-Management-Plattform der Welt. Sie hat rund 20 Millionen Kunden und verwaltet ein Vermögen von rund 60 Milliarden Dollar. Lufax ist mit seinem Online-Kreditgeschäft zudem das größte Nichtbank-Kreditinstitut Chinas.
  • Ping An Financial Cloud ist eine regulierte Third-Party-Cloud-Umgebung, die in China operierenden Finanzinstituten cloudbasierte Services anbietet.
  • Ping An Good Doctor ist mit rund 250 Millionen registrierten Nutzern die größte Telemedizin-Plattform der Welt. Das Unternehmen ist seit Mai 2018 an der Börse von Hongkong notiert.
  • Ping An Wanjia Clinic ist eine Gesundheits- und Klinik-Plattform, die rund 50 Prozent der privaten Kliniken in China unterstützt.
  • Ping An Health Connect bietet ebenfalls eine Reihe von Serviceleistungen, die von Betrugsbekämpfung bis zur Kontrolle von Überfakturierung reichen, um auf diese Weise das staatliche Krankenversicherungssystem zu unterstützen, das 50 Prozent aller medizinischen Ausgaben in China deckt.
  • Ping An OneConnect ist ein Fintech, das kleinen und mittleren Finanzinstituten in China und neuerdings auch in anderen Ländern hochmoderne technologiegetriebene Lösungen bietet.
  • Wenn man alles zusammenrechnet, ist Ping An ein Konzern mit einer billionenschweren Bilanz und mehr als 180 Millionen Finanzdienstleistungskunden. In seinem breiteren digitalen Ökosystem verfügt die Gruppe über mehr als 500 Millionen Nutzer.
  • In der ersten Hälfte des Jahres 2018 erzielte Ping An Umsätze in Höhe von 85 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn von 9 Milliarden Dollar.

Jonathan, können Sie uns ein wenig über die Geschichte von Ping An erzählen und uns erklären, wie es dem Unternehmen gelungen ist, ein derart beeindruckendes Wachstum zu erzielen?
Jonathan: „Ping An wurde 1988 von Peter Ma gegründet. Von Peter, der nach wie vor Chairman und CEO des Unternehmens ist, stammt auch die Leitvision für die Entwicklung des Unternehmens. Ping An begann als Versicherungsunternehmen, diversifizierte in ein breites Finanzdienstleistungsspektrum und schuf das Konzept der integrierten Finanzdienstleistungen, das in China zu dem Zeitpunkt revolutionär war. Bis heute besitzt Ping An von allen Finanzinstituten immer noch die größte Bandbreite an Lizenzen. Schnelldurchlauf zu den Jahren 2007-2008: Als der größte Teil der Welt auf die Finanzkrise fixiert war, beobachtete Peter Ma, wie Alibaba und Tencent in China in rasantem Tempo etwas aufbauten, was sich im Wesentlichen zu einer neuen digitalen Ökonomie entwickelte. Nachdem er Ping An zu einem traditionellen Finanzdienstleistungskonzern aufgebaut hatte, wurde Peter klar, dass die digitale Ökonomie ganz neue Herausforderungen stellte, aber auch ganz neue Chancen bot. Und so beschloss er, das Unternehmen in einen technologiegetriebenen Konzern zu verwandeln.“



Das ist in der Tat eine riesige Herausforderung und ist vermutlich nicht von heute auf morgen geschehen ...
Jonathan: „Stimmt. Der erste Schritt war eine komplette Verlagerung aller Geschäfte und Prozesse in die Cloud, und das ist abgeschlossen. Dafür mussten alle alten Plattformen im gesamten Unternehmen ersetzt werden. Ping An startete auch eine umfangreiche technologiegetriebene F&E-Initiative. Zu den Beispielen gehören das automatisierte Underwriting, die biometrische Gesichtserkennung zur Kundenauthentifizierung, und wir haben unsere eigene Voiceprint-Technologie entwickelt. Wir haben alle Anrufe, also die vielen Millionen Anrufe, die täglich bei uns eingehen, in Text verwandelt, um sie maschinell verarbeitbar zu machen. Und wir haben viele neue Unternehmen geschaffen – Lufax, Good Doctor, OneConnect sind ausgezeichnete Beispiele. Darüber hinaus gibt es ungefähr 15 weitere Unternehmen in unterschiedlichen Sektoren und Entwicklungsstadien, die auf unseren Finanzökosystemen sowie den breiteren Ökosystemen aufbauen.“



Eine Transformation dieser Größenordnung ist eine echte Leistung. Welches ist Ihrer Meinung nach der zentrale Erfolgsfaktor für einen derart grundlegenden Wandel?
Jonathan: „Man muss verstehen, wie Peter und das Unternehmen die Zukunft betrachten. Auf der einen Seite glaubt Peter daran, dass die digitale Ökonomie die Relevanz der Fähigkeiten und Kompetenzen, die uns in der Vergangenheit Erfolg beschert haben – unsere 1,4 Millionen Versicherungsagenten, eine herausragende Marke und eine große Kapitalkraft – immer weiter reduzieren wird, wenngleich diese Faktoren in der nahen Zukunft selbstverständlich immer noch erfolgskritisch sind. Auf der anderen Seite werden unsere Fähigkeiten, große Mengen an Daten zu sammeln und diese so zu nutzen, dass wir wirklich werthaltige Angebote zur Erfüllung der Kundenbedürfnisse entwickeln können, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Diese Erkenntnis ist der Motor, der unsere Zukunftsstrategien antreibt.

Der Erfolg von Alibaba und Tencent hat einen Eindruck davon vermittelt, in welche Richtung sich die Versicherungsindustrie entwickeln wird ...
Jonathan: „Eine Sache ist, ein großes und innovatives Finanzinstitut zu sein. Ich denke aber, dass uns klar sein muss, dass ein Großteil der Innovation von außerhalb der Finanzindustrie kommt. Vor 30 Jahren wurden die meisten Innovationen innerhalb der Industrie initiiert, und zwar von wenigen Großunternehmen sowie einer kleinen Zahl an Technologieanbietern. Das hat sich total verändert. Heute kommen die meisten Innovationen von außen. Als Beispiel: Wir sehen inzwischen, dass pro Jahr rund 30 Milliarden Dollar Risikokapitalinvestitionen in den Bereich Fintech fließen.“

Wie stellt sich Ihrer Meinung nach die Landschaft derzeit dar? Weist China hier den Weg?
Jonathan: „Tatsächlich ist das zunehmend über die Welt verteilt. China ist natürlich ein wichtiger Player. Drei Bereiche wurden in China von Technologie transformiert: erstens, die Zahlungsvorgänge. Wegen der starken Penetration von E-Wallets gibt es in China praktisch kein Bargeld mehr. Zweitens wird die Vermögensverwaltung überwiegend von digitalen Plattformen beherrscht. Drittens passiert das Gleiche auch im Verbraucherkreditgeschäft. Ähnliche Trends beobachten wir übrigens auch in anderen Teilen der Welt. Ich glaube, dass es in Europa ebenfalls eine Reihe sehr wichtiger Trends gibt, nun, da Fintechs langsam erwachsen werden. Wir jedenfalls betrachten Europa als sehr wichtige Innovationsquelle und Raum für interessante Investmentchancen.“



Es scheint, als würden Fintechs die Finanzdienstleistungsindustrie zersplittern ...
Jonathan: „ Wenn man diese Welt betrachtet, stellt man fest, dass es da sehr viele Akteure gibt, darunter mindestens 7.500 Fintechs. Wir achten aber auch intensiv auf die Digital-Health-Landschaft und sehen, dass es auch in diesem Universum 7.500 Player gibt. Wenn Sie die Finanzdienstleistungsindustrie unter die Lupe nehmen, werden Sie sehen, dass in jedem Segment und auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette ziemlich gute Unternehmen zu finden sind. Allerdings müssen viele erst noch skalieren. Die Industrie wird immer noch stark von großen, alteingesessenen Instituten beherrscht – Finanzinstitute und Vertriebspartner. Die Frage ist, wie wird sich das verändern, und wie schnell?“

Sie haben erwähnt, Peter Ma habe beobachtet, wie Alibaba und Tencent und wahrscheinlich viele andere eine neue digitale Ökonomie schufen. Welche neuen Paradigmen lassen sich daraus ableiten?
Jonathan: „Nach unserer Ansicht hat sich die Internetökonomie in den vergangenen 15 Jahren auf vielfältige und bedeutende Art und Weise transformativ erwiesen. Als Erstes haben wir die Neudefinition der Zielmärkte. Denken Sie an die Zeit zurück, als Travis Kalanick Uber gegründet hat. Wer waren seine Wettbewerber? Die gelben Taxis in San Francisco? Nein. Tatsächlich bot er Mobilität für jedermann und an jedem Ort – genau wie Airbnb. Der zweite Vektor ist die Umwandlung von Daten in Wert. Das ist das Modell, das Google und Facebook verfolgen. Gemeinsam repräsentieren sie 66 Prozent der globalen Datenmonetisierung, sind also wirklich Paradebeispiele. Der dritte Vektor ist die Neudefinition der Kundenerfahrung. Sie brauchen sich nur Netflix und Spotify anzusehen, um zu erkennen, wie man traditionelle Erfahrungen komplett verändert. Der vierte Vektor ist die radikale Automatisierung. Denken Sie an Amazons Warehouse-Infrastruktur. Toyota ist hier wahrscheinlich das beste Beispiel, was Fertigung, Innovation und Automatisierung betrifft. Und der letzte Vektor ist die Fähigkeit, sich mithilfe von Technologie und Ökosystemen Zugang zu einem breiten Kompetenzspektrum zu verschaffen. Hier sind Salesforce und Android ausgezeichnete Beispiele. Alle diese neuen Vektoren stammen aus völlig anderen Industrien als der Finanzdienstleistung.“



Wie spiegelt sich das in Ping Ans Strategie wider?
Jonathan: „Bei Ping An denken wir ausschließlich in Ökosystemen. Wir denken an den gesamten Finanz-Umsatzpool, den gesamten Immobilien-Umsatzpool, den Automobil- und den Gesundheits-Umsatzpool. Und wir denken an Sektoren, in denen wir heute noch gar nicht aktiv sind. Unterhaltung, zum Beispiel, und der aufstrebende Sektor der staatliche Dienstleistungen. Tatsächlich betrachten wir den größten Teil der Dienstleistungsökonomie als möglichen Zielmarkt.“

Können Sie uns ein Beispiel nennen?
Jonathan: „Gewiss. Ping An betreibt die größte Autohandelswebsite in China. Vor ungefähr zwei Jahren haben wir einen Anteil von 54 Prozent an AutoHome erworben, einem Unternehmen, das an der NASDAQ notiert ist. Seitdem hat es seinen Wert vervierfacht: Er wird derzeit auf 8 Milliarden Dollar beziffert. Dreißig Prozent aller Autoverkäufe in China finden auf AutoHome statt, dem größten Automarkt der Welt. Im Anschluss an unsere Akquisition haben wir als Erstes nach Möglichkeiten gesucht, Finanzdienstleistungen in das Angebot der Website zu integrieren. Im Kfz-Bereich sind das offensichtlich Finanzierungs- und Versicherungslösungen. Also überlegten wir uns, wie wir das in großem Maßstab machen konnten. Zweitens wollten wir darunter eine Datenschicht einziehen, um diese Daten einerseits zu Forschungszwecken an die Autohersteller verkaufen zu können, und andererseits den Kunden Mehrwert zu bieten.“

 

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